Biographie
Marie-Luise Friedemann, RN, Ph.D.
Frau Dr. Friedemann ist die Authorin der Theorie des
systemischen Gleichgewichts. Sie wuchs
in Zürich (Schweiz) auf und machte eine Handelsmatura an der Kantonalen Handelsschule
in Zürich, bevor sie in die Vereinigten Staaten immigrierte. In San Francisco
besuchte sie eine Schule der Krankenpflege mit Diplomabschluss. Anschliessend
zog sie mit ihrem Gatten nach Michigan, wo sie an der Wayne State Universität
eine Ausbildung zum Bachelor in der Pflege absolvierte. Sie arbeitete dann als
Gemeindeschwester (Public Health Nurse) in Washtenaw County in Michigan.
Zwei Jahre später begann sie eine Mastersausbildung an
der Universität von Michigan in
psychiatrischer Pflege, die sie 1977 abschloss. Ihre Karriere in
Pflegeausbildung begann an der Eastern Michigan Universität, wo Frau Friedemann
psychiatrische Pflege, Gemeindepflege und Pflege von Drogensüchtigen
unterrichtete. In der gleichen Zeit studierte sie auch an der Universität von
Michigan, wo sie 1984 ein Doktorat in Pädagogik und Gemeindeplanung abschloss.
Während elf Jahren lehrte Frau Dr. Friedemann an der Wayne
State Universität und betrieb Forschung. Als ihre Aufgaben vermehrt in die
Richtung Administration gingen, akzeptierte sie eine Stelle als Rektorin der
Pflegeschule der Universität von Detroit Mercy und wechselte von dort zur
Florida Internationalen Universität wo sie heute in einer Professur arbeitet.
Ihre Hauptaufgabe ist Forschung. Die Hauptgebiete ihrer Forschung sind
Familiendynamik, Familien in der Pflege von chronisch Kranken, und Drogensucht.
Im Jahr 1991 wurde Frau Dr. Friedemann von neuem in ihrem Heimatland, der
Schweiz, tätig. Während mehrerer Jahre akzeptierte sie regelmässige
Lehraufträge an der Kaderschule in Aarau. Sie benützte dabei die Gelegenheit,
mit Leitpersonen in Ausbildung und Pflegepraxis im deutschsprechenden Europa in
Verbindung zu treten und sich mit Konsultation, Forschung und als Dozentin in
ganz Europa einzusetzen.
Die Entwicklung der Theorie des systemischen Gleichgewichts
begann 1986, als Frau Dr. Friedemann ihre Stellung an der Wayne State
Universität in Detroit antrat. Zu jener Zeit
unterrichtete sie Familientherapie und realisierte die Notwendigkeit
einer Behandlung, die den von Krisen geplagten Familien in der Innenstadt
angepasst war. Da die konventionelle Familientherapie von vielen dieser
Familien nur schlecht akzeptiert wurde, bedeutete die neue Theorie und die
damit verbundenen Interventionen eine Lösung. Frau Dr. Friedemann entwickelte
die Theorie des systemischen Gleichgewichts um den Pflegenden in der Praxis und
der Forschung eine Leitstruktur als Grundlage zu ihrer Arbeit zu verleihen. Sie
schrieb in ihrem Buch (Friedemann, 1996):
"Wie jede andere, entstand die Theorie des systemischen
Gleichgewichts aus einem vielfältigen Gedankengut. Ursprünglich wurde sie durch
das Denken von Persönlichkeiten aus der Familiensoziologie und Familientherapie
angeregt, wie zum Beispiel David Kantor und William Lehr, Salvador Minuchin und
nicht zuletzt Jürg Willi aus Zürich. Die theoretische Grundlage entstand als
Synthese. Das heisst, dass die Formulierung der Theorie durch das gegenseitige
aufeinander Einwirken verschiedener Faktoren möglich wurde. Solche Faktoren
waren die Persönlichkeit der Autorin, Lebenserfahrungen, die Umwelt,
historische Ereignisse, wissenschaftliche Erkenntnisse und Berufserfahrungen.
Da sich aber diese Faktoren stets wandeln, ist die Theorie nie vollendet. Sie
entwickelt sich weiter und passt sich immer neu durch einen andauernden
Evolutionsprozess der Umwelt an. Diese Evolution wird nicht zuletzt durch die
Mitwirkung von Berufskolleginnen und -kollegen im nötigen Gedankenprozess
gefördert."
Im Jahr 1989 publizierte Frau Dr. Friedemann die ersten
Artikel über ihre Theorie und 1995 erschien das englische Buch mit Thema
Theorie des systemischen Gleichgewichts. Ein ähnliches Buch in deutscher
Sprache erschien im folgenden Jahr. Dieses Buch wurde so viel als möglich auf
europäische Literatur basiert, umfasst eine Einführung in die Theorie, die von
konkreten Beispielen aus der Pflege gefolgt wird.
Das Gesamtwerk von Frau Dr. Friedemann umfasst die Theorie
des systemischen Gleichgewichts selbst, das Kongruenzmodell, das eine
Kurzbehandlung für Familien mit Drogensüchtigen darstellt und das ASF-E
(Assessment of Strategies in Families), ein theoriebezogenes Instrument zur
Erfassung der Qualität der Familiendynamik.
Das ASF-E wurde vom Englischen in
drei andere Sprachen übersetzt und in Mexiko, Kolumbien, Finnland und der
Schweiz getestet.